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Die symbolische Sprache Sterbender (2010)

Tischvorlage für das Expertenkolloquium Anthroposophische Pflege am 08.11.2010 in Berlin

Ein mich sehr berührendes Gespräch mit einem todkranken Mann führte mich vor einigen Jahren zu der Frage, ob Sterbende uns Lebenden Botschaften aus der geistigen Welt bringen. Die Erklärungsansätze in der gängigen Literatur für diese so genannte Symbolsprache gehen alle auf C.G. Jung zurück. Nach eingehender Beschäftigung mit Jungs Theorien v.a. bzgl. der Archetypen und des kollektiven Unbewussten kam ich zu der Auffassung, dass Jungs Ansatz zu kurz greift und dem Phänomen nicht gerecht wird. Jung bzw. der auf ihm basierenden Sekundärliteratur verdanke ich jedoch die Einsicht, dass es Parallelen zwischen dem gibt, was Menschen träumend bzw. im Sterben erleben.

In der anthroposophischen Literatur fand ich ein für mich wegweisendes Buch von Johannes W. Schneider (2004): Träume besser verstehen.

Träume entstammen aus zwei unterschiedlichen seelischen Instanzen, dem Gedächtnisträger und dem Dramatiker. Unter beiden Instanzen ist letztere die wichtigere, ist doch der Dramatiker in uns für Stimmung und Traumhandlung verantwortlich, welche sinngebend wirken und wesentlich für die Deutung des Traumes sind. Die dem Gedächtnis obliegende Funktion Bilder zu transportieren (Kernthema der Jungschen Archetypen) kommt bzgl. der Bedeutung eine nachgeordnete Rolle zu.

Eine zentrale Funktion spielt die Unterteilung der Träume in Wahrträume bzw. prophetische Träume und Angstträume. Während die Wahrträume durch göttlichen Willen in den Menschen treten, sind Angstträume Ausdruck von Symptomen im Astral- bzw. Ätherleib. Da beim Sterbenden die Wesensglieder sich zeitweise bereits schon lockern, treten Symptome wie Angst, Unruhe, etc. auf. Im Gegensatz hierzu gibt es eine besondere Disposition des Menschen für Wahrträume und prophetische Träume bei Beginn eines neuen Lebensabschnittes und im Sterbeprozess. Im Altertum verrichteten spezielle Traumdeuter die Aufgabe Träume zu deuten. Sind die Sterbebegleiter Traumdeuter bzw. Deuter von Menschheitsaufgaben?

Johannes W. Schneider verstarb 82-jährig in genau den Tagen, in denen ich mich am intensivsten mit seinem Werk auseinandersetzte. Diese meine Arbeit widme ich in Dankbarkeit seinem Gedenken.

Samstag, 16. Dezember 2017 01:17:33Druckansicht